Artikel: Unser besonderer Pinselreiniger
Unser besonderer Pinselreiniger
Moin,
es gibt in fast jedem Badezimmer diese eine Schublade. Da liegen vier Pinsel, die mal richtig gut waren und inzwischen aussehen, als hätte jemand damit ein Auto lackiert. Benutzen will die keiner mehr, wegwerfen aber irgendwie auch nicht. Der Pinselfriedhof.
Ich sehe diese Pinsel ziemlich oft, weil sie manchmal bei uns landen, wenn jemand wissen will, ob da noch was zu retten ist. Und was mir dabei aufgefallen ist: Das waren fast nie schlechte Pinsel. Die sind an der Reinigung gestorben, und zwar an der gut gemeinten.
Muss das denn wirklich sein?
Ja, das muss so sein!
Aber es gibt drei ziemlich gute Gründe dafür, und der erste ist gar nicht der, den die meisten erwarten.
Die Farben stimmen nicht mehr. Ein Pinsel mit Rückständen mischt einfach mit. Man legt ein Rouge auf, das in der Palette wunderbar aussah, und im Gesicht wird dann irgendwas Drittes daraus. Wer sich also mal gewundert hat, warum ein Ton anders wirkt als gedacht, sollte zuerst den Pinsel anschauen und nicht das Produkt.
Hygiene. Auf einem Pinsel, der jeden Morgen Foundation ins Gesicht bringt, sammelt sich alles, was auf der Haut so unterwegs ist. Feuchtigkeit, Fett, ein paar Hautschüppchen. Bakterien finden das großartig, wir eher weniger.
Und ganz ehrlich auch der Geldbeutel. Produktreste trocknen im Pinselkopf ein, kleben die Haare zusammen und ruinieren die Form. Ein guter Pinsel hält bei anständiger Pflege locker zehn Jahre, und ohne Pflege ungefähr eine Saison. Das rechnet sich also ziemlich schnell.
Der Klassiker unter den Fehlern
Spülmittel, heißes Wasser und dann kräftig durchkneten, damit es auch wirklich sauber wird.
Ich sage das ganz ohne erhobenen Zeigefinger, weil ich das früher selbst genauso gemacht habe. Es klingt ja auch logisch, Spülmittel entfettet und deshalb funktioniert es beim Geschirr so gut. Nur ist ein Pinsel eben kein Teller, und was beim Bratenfett erwünscht ist, ist bei einer Synthetikfaser einfach zu viel des Guten.
Der eigentliche Übeltäter ist aber gar nicht die Seife, sondern das Wasser an der falschen Stelle. Zwischen Kopf und Stiel sitzt die Zwinge, also diese kleine Metallhülse, und da drin sind die Haare verklebt. Wenn man den Pinsel jetzt mit dem Kopf nach oben unter den Wasserhahn hält, spült man genau in diese Klebestelle hinein.
Beim ersten Mal passiert überhaupt nichts. Beim zehnten Mal liegen ein paar Haare im Waschbecken, und irgendwann wackelt der Kopf auf dem Stiel wie ein Milchzahn. Und dann sind wir wieder bei der Schublade von oben.
Also lieber lauwarm statt heiß, kein Spülmittel, und den Kopf beim Waschen konsequent nach unten halten.
Warum wir irgendwann einen eigenen Reiniger gemacht haben
Wir hätten es uns leicht machen können. Irgendeinen Reiniger einkaufen, unser Etikett drauf, fertig. So machen das ziemlich viele, und ehrlich gesagt hätte es vermutlich auch keiner gemerkt.
Das Problem war nur, dass unsere Pinsel aus reinem Synthetikhaar bestehen und Synthetik nun mal anders tickt als Naturhaar. Naturhaar hat eine Schuppenschicht, hält Produkt fest und verträgt Rückfetter ganz gut. Synthetikfasern sind glatt, geben Rückstände viel leichter ab, nehmen einem aggressive Lösungsmittel dafür aber richtig übel. Zu scharf, und die Faser wird stumpf und strohig. Wir brauchten also etwas, das genau dazwischen liegt, und das gab es so nicht von der Stange.
Wie wir dann ausgerechnet bei diesem Betrieb gelandet sind, war ehrlich gesagt reiner Zufall. Wir waren auf einer Beauty-Messe unterwegs, sind dort der Inhaberin über den Weg gelaufen und in ein wahnsinnig nettes Gespräch gekommen. Kein Verkaufsgespräch, einfach ein gutes Gespräch. Wir haben zu dem Zeitpunkt sowieso einen Pinselreiniger gesucht, und irgendwann war für uns einfach klar, dass wir das mit ihr machen wollen.
Einen Vorgänger gab es übrigens nie, jedenfalls keinen, an den ich mich erinnern könnte. Es war von Anfang an dieser eine, und dabei sind wir bis heute geblieben.
Gefertigt wird bei ihr in Handarbeit und in überschaubaren Chargen, und wenn ich dort anrufe, geht tatsächlich noch jemand selbst ans Telefon. Die Rezeptur ist auf unser Pinselhaar abgestimmt und nicht auf irgendein Pinselhaar im Allgemeinen, und genau das war mir wichtig.
Er macht drei Sachen gleichzeitig, und das ist tatsächlich der springende Punkt. Er reinigt, also Foundation, Puder, Lidschatten und alles Cremige lösen sich ohne Schrubberei. Er pflegt, weil pflanzliche Extrakte aus Aloe Vera, Gurke und Jujube die Faser geschmeidig halten, statt sie auszutrocknen. Und er schont, es gibt also kein Rückfetten, kein Verkleben und keine stumpfen Spitzen.
Und dann riecht er auch noch richtig gut, nach Lavendel und Geranium. Das klingt jetzt nach nettem Beiwerk, ist es aber überhaupt nicht: Wer im Studio zwanzig Pinsel hintereinander durchzieht, hat den Geruch die nächste halbe Stunde in der Nase. Da macht es schon einen Unterschied, ob das nach Blumen riecht oder nach Zahnarztpraxis :-)
Wie es richtig geht
Schnell zwischendurch: Etwas Pinselreiniger auf ein Kosmetiktuch geben und den Pinsel darauf ausstreichen, bis nichts mehr abfärbt. Das trocknet in Sekunden und der Pinsel ist sofort wieder einsatzbereit. Am Set ist das die Methode für den Farbwechsel, und zu Hause reicht das für den Alltag auch völlig aus.
Gründlich, so einmal die Woche: Pinselseife und lauwarmes Wasser. Kopf nach unten halten, in kreisenden Bewegungen über die Seife führen, ausspülen bis das Wasser klar bleibt und dann vorsichtig wieder in Form drücken. Bitte nicht auswringen, das ist keine Spüllappen-Situation.
Und jetzt der Teil, den fast alle vermasseln: das Trocknen. Bloß nicht mit dem Kopf nach oben in den Becher stellen, weil dann das Restwasser genau wieder dahin läuft, wo es nicht hin soll, und die ganze Mühe umsonst war. Besser flach hinlegen, sodass der Kopf über die Tischkante ragt, oder einfach kopfüber aufhängen. Über Nacht in Ruhe trocknen lassen und auf keinen Fall föhnen.
Wie oft denn nun?
Zu Hause bei täglichem Make-up würde ich sagen: zwischendurch nach Gefühl und einmal die Woche gründlich.
Im Studio nach jedem Kunden, aber das muss ich den Profis unter euch vermutlich nicht erzählen.
Und wer unsicher ist, ob ein Pinsel wirklich sauber ist, streicht ihn einfach mal über den Handrücken. Wenn da noch Farbe kommt, war es das eben noch nicht. Ziemlich simpel, funktioniert aber zuverlässig.
Fazit für alle, die bis hier gescrollt haben
Pinsel sind für mich Werkzeug und keine Wegwerfware. Wer sie halbwegs vernünftig behandelt, hat richtig lange etwas davon, und bei handgebundenen Pinseln ist das durchaus ein Argument.
Alles, was man dafür braucht, gibt es bei uns unter Reinigung. Und falls die Schublade doch nicht mehr zu retten ist, findet ihr die Pinsel, über die wir hier die ganze Zeit reden, unter Make-up Pinsel.
Viel Spaß beim Saubermachen. Ist immer noch angenehmer als Bügeln - finde ich zumindest ;-)
Abro

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